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Problemlos.

Waldschenke von Zelenkovac

Waldschenke von Zelenkovac

Zeljko ist in unser Leben „gebomt“, hätte Teresa gesagt. Zeljko ist selbsternannter Wanderführer in Jajce und Teresa, eine kalifornische Aussteigerin mit langer, graumelierter Hippie-Mähne. Was die beiden miteinender zu tun haben, will ich euch heute berichten.

Zeljko, 45, ohne Schneidezähne, schwarzer Riesenschnurrbart zu grauem Haupthaar,
abgetragene Levis-Cordhosen und blaue Chucks dazu, rief letzte Woche auf meinem bosnischen Handy an: „Ich habe gehört, ihr wollt mal wandern gehen? Packt eure Sachen, ich bin um fünf nach drei im Jugendzentrum!“, rattert er ziemlich schnell und in ziemlich gutem Deutsch. Dass wir mitten in der Arbeit stecken, kann er gar nicht glauben, jetzt sofort will er zur Pliva-Quelle mit uns fahren, den Grill hat er auch schon eingepackt. Wir handeln ihn auf ein Stündchen Kaffeetrinken am See runter um erstmal alles in Ruhe zu besprechen. „Problemlos!“, ist sein Lieblingswort.


Letzten Freitag dann die erste richtige Tour mit Zeljko. „Großpapa“, sein 78-jähriger Kumpel mit tiefen Furchen im Gesicht, ist auch dabei.

Der Ausflug wird zwar eher eine Schlemm-Kur als sportliche Ertüchtigung, aber das ist ja auch nicht schlecht. Nach halbstündiger Autofahrt im roten Uralt-Yugo erstmal Kaffeetrinken an einer Mühle. Danach schwerbepackt mit Grill und Fleisch durchs Gebüsch geschlagen bis zu einem kleinen Wasserfall, dort Feuer gemacht, Cevapcici und fetttriefende Knoblauchwürste gegrillt. Mmmmmh!

Dann nochmal Kaffeetrinken am Fluss um nach neuerlicher Spazierfahrt zum Abschluss in Großpapas wildem Garten auf kleinen Holzhockern selbstgebrannten Slivovic und den leckersten Holundersirup überhaupt serviert zu bekommen. Wahnsinn. Haben zum Abschied sowohl den Schnaps als auch den Sirup geschenkt bekommen und sind nachhause gerollt.

Gestern dann gleich der zweite Trip mit Zeljko, diesmal mit einer Gruppe vom Friedenskreis Halle, die für eine Woche wegen eines Workcamps nach Jajce gekommen sind. Zeljko führt uns nach Zelenkovac, einer einstigen Künstlerkolonie. Im Steinbruch davor sind die Buchstaben des Ortes wie HOLLYWOOD in den Hang gespießt.

Wäre ich Location Scout, wäre das die perfekte Kulisse für einen Märchenfilm mit böser Stiefmutter. Der Maler und einstige Kriegsreporter Boro lebt und arbeitet schon seit über 20 Jahren in dieser Waldoase mit den selbstgezimmerten Tischen und Bänken und Aschenbechern unter hohen Bäumen. Für fünf bis zehn Euro kann man in winzigen Kammern, die wie Vogelnester mit dem hohen Holzhaus verwachsen sind, schlafen. Zelenkovaz ist Ausflugsort und Ökozone, “ein offener Raum für alle Künstler und Naturfreunde”, wie auf der Homepage zu lesen ist.

Teresa hat sich schon vor längerem hierher verirrt. „I bombed into someone, who brought me here!“, erzählt sie. Sie hat sich in Zelenkovac verliebt, genauso wie in den kahlköpfigen Ober der Waldschenke, der gleichzeitig auch als Künstler hier arbeitet. Und in Boro, aber in den nur platonisch, das stellt sie gleich klar. Teresa strahlt und lacht und reißt uns mit mit ihrem Optimismus. Vor einem halben Jahr hat sie ihr Leben umgekrempelt: Hat ihren gut bezahlten Job geschmissen, mit ihrem Partner Schluss gemacht, das Haus in Kalifornien samt Inventar verkauft: „Alles, was ich noch besitze ist da oben in meinem Rucksack“, sagt die 46-Jährige lächelnd und zeigt auf die Vierquadratmeterkammer, in die sie sich eingemietet hat.

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