Mit 'Entwicklung Bosnien Journalismus' getaggte Einträge

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Theorie und Praxis liegen ja nicht nur in der Politik, sondern auch im alltäglichen Leben oft weit auseinander. Umso schöner ist es, wenn sich beides trifft. Zum Beispiel wenn man etwas, das man in der Vorlesung gelernt hat und von dem man dachte, dass man es nie wieder brauchen würde, auf einmal in der Realität wiederfindet.

Letztes Semester besuchte ich zum Beispiel eine Vorlesung zum Thema „Wachstum und Entwicklung“. Darin behandelten wir Theorien gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung und lernten unter anderem den Property Rights-Ansatz kennen. Ganz vereinfacht besagt dieser, dass die Durchsetzung von Eigentums- und Verfügungsrechten die Voraussetzung für Investitionen ist und somit gesellschaftlichen Fortschritt mit sich bringt. Ich investiere also nur in eine Sache, wenn auch sichergestellt ist, dass ich die Früchte meiner Investition trage. Ein kapitalistisches Prinzip versteckt sich dahinter. In einem postsozialistischen Land wie Bosnien hat sich dieses Prinzip noch nicht ganz durchgesetzt, wie ich diese Woche erfahren durfte.

Vor einigen Wochen gab es ein Workcamp vom “Friedenskreis Halle” in Jajce, welches Anna und ich dokumentiert haben. Anna machte einen kurzen Filmbeitrag darüber, ich schrieb einen Zeitungsartikel für den „Senzor“, die Zeitung des Jugendzentrums. Da mein Bosnisch für den Restaurantbesuch, nicht aber für die Verfassung eines Zeitungsartikels reicht, übersetzte Zeljko, der Organisator des Workcamps, mein Geschriebenes und der Artikel erschien, zusammen mit selbstgeschossenen Photos, in der Oktoberausgabe des „Senzor“.

Ich freute mich, als Zeljko mir berichtete, dass er den Artikel auch an einen Franziskanermönch weitergereicht hätte. Letzten Sonntag zeigte er mir stolz die Franziskanerzeitung: „Die Burg Komotin erwacht aus ihrem Dornröschenschlaf“ stand darin auf Bosnisch geschrieben. Autor: Zeljko C. Ich musste schmunzeln. Da ich keine Karriere als Journalistin antrete, wo unter Umständen jede noch so kleine Veröffentlichung eine Stufe auf der Karriereleiter bedeuten könnte, war mir das egal.

Vor einigen Tagen trafen wir wieder zufällig Zeljko mit der bosnischen Tageszeitung „Dnevni Avaz“ unterm Arm. Diese ist mit 100.000 Stück aktuell die auflagenstärkste Zeitung des Landes. Darin fand sich ein Artikel über das Workcamp bei der Burg Komotin. Der Artikel ist (laut Autor) nicht von mir, jedoch das Photo, welches, wo wir schon bei Property Rights sind, mit Annas Kamera gemacht wurde. Zeljko fragt uns im gleichen Atemzug, ob er Annas Beitrag an einen bosnischen Fernsehsender weitergeben könnte. Kein Problem, meinen wir. Aber vielleicht auch deshalb, weil das in unserem sonstigem Lebenskontext, der sich ja in Deutschland abspielt, nicht wirklich wichtig ist?

Wie es generell um die Sicherung von geistigem Eigentum in Bosnien steht, hat mich aufgrund dieser kleinen Anekdote dann doch interessiert. Mein Versuch, mehr über das staatliche Institut zur Sicherung von geistigem Eigentum in Bosnien zu erfahren, war wenig erfolgreich. Die Homepage ist noch im Aufbau. Ich stelle fest: Theorie und Praxis scheinen doch öfter zusammen zu passen als man denkt.



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