Diese Woche fuehlte sich ein bisschen an wie Weihnachten – nur ohne Minustemperaturen und Tannenbaum. Denn am Dienstag wurde das Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan eingeleitet. Drei Tage lang war also Bayram bzw. Zuckerfest. Familie und Freunde kamen zusammen, es wurde gegessen (vor allem Süßes) und die Jugend begoss das Fest in den Kneipen der Stadt. Statt Arbeit standen also Spaziergänge und Entspannung an, denn das Jugendzentrum blieb dienstags geschlossen. Und obendrein löste feinste Sonne die Kälte und das Regenwetter ab, das seit zwei Woche die Laune in Jajce truebte.
Direkt nach dem Frühstück klingelte es bei uns an der Tür und der Vermieter stand vor der Tür. Er lud uns zu sich ein. So saßen wir also auf dem Sofa des Polizeidirektors der Stadt zusammen mit der Oma aus Livno und der Schwägerin und aßen Pita (gefüllten Blätterteig) und Baklava (unbeschreiblich). Es war sehr gemütlich und lecker. Nach einem Plausch, dem Gang auf den Balkon und dem Bestaunen des großen Gartens beschlossen wir, unseren Spaziergang in Angriff zu nehmen. Dafür mussten wir uns aber an dem gedeckten Esstisch vorbei schleichen, der bereits die nächste Mahlzeit ankündigte. Wir kamen jedoch nicht weit. Auch ein fünfmaliges Nein, Danke und das Streichen über den dicken Baklavabauch half nichts. Wir mussten uns setzen. Und dann gab es Tarhanasuppe, Reis, Fleisch und gefüllte Weinblätter sowie Salat. Von jedem ein bisschen und sehr gut. Und ehrlich gesagt gibt es ja auch Schlimmeres als gute Sachen essen zu müssen.
Am Abend ging es dann auf in DIE Kneipe des Abends. Alles traf sich dort, auch die Chefin vom Jugendzentrum, neben der wir noch den einzigen Sitzplatz der Bar fanden. Eine Liveband spielte Turbo Folk (kommerziellen Pop). Auffällig war, dass hier der Mann noch Mann und die Frau noch Frau war. Ich beobachtete, wie ein Kerl im rosa Hemd und weißen Hosen seine weiße Jacke ganz vorsichtig über die Lehne des Sofas legt, auf dem ich saß. Anschliessend strich er seine Jacke noch einmal liebevoll glatt. Mein Blick schwenkte zu meiner 8 Jahre alten, ausgewaschenen, schwarzen Jacke, die zusammengeknautscht in der Ecke lag. In Deutschland wäre ich in so einen Klub nie gegangen. Aber im Ausland ist man ja offen und neugierig. Gegen 23 Uhr tanzte und sang jeder mit – ausnahmslos. Auch wir tanzten, nur singen konnten wir nicht, da wir die Lieder nicht kennen. Gegen 24 Uhr war die Luft so dick, dass wir gingen.
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