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Ausgeblutet.

Augustin und das Lamm

Augustin und das Lamm

Leichter Regen und der Nebel hängt tief in den Tälern. Wir sitzen vor der schlichten Behausung von Augustin und seiner Frau Zora, die die Freiwilligen für eine Woche in einem Nebenzimmer beherbergt haben. Wir hocken auf niedrigen Holzbänken, ein improvisierter Tisch vor uns, ein Pferd weidet ein paar Meter weiter, vor uns liegen das Obst und Gemüse aus dem Garten.

Die Freiwilligen aus Halle haben gute Arbeit geleistet: Nach einer Woche ist der Weg zur Komotin-Burg wieder begehbar, neue Schilder weisen mit neongelber Aufschrift den Weg und das alte Gemäuer in den Bergen vor Jajce scheint aus seinem Dornröschenschlaf geweckt.

Heute also großes Abschiedsfest für die Mädels und Jungs aus Halle. Franzi und ich, die das Camp mit der Kamera begleitet haben und in den nächsten Tagen einen kleinen Film aus dem Material machen werden, wurden dafür extra aus Jajce abgeholt und hergebracht.

Teppichgroßer Pita-Teig

Schon früh um elf geht’s mit den Vorbereitungen los: Zora zieht den Teig für die Pita vorsichtig auf Teppichgröße, dann kommt Schafskäse und Spinat darauf und wird erst zu einer dünnen Wurst, dann zu einer Schnecke gerollt.

Nachmittags kommt endlich das Lamm am Spieß. Heute morgen geschlachtet, ausgeblutet, erzählt mir der Metzger, der neben mir sitzt, während ich in die erste Keule beisse.

Im nächsten Krieg…

Doris, mit 56 die älteste Teilnehmerin aus Halle, bedankt sich nach dem Festmahl ausführlich bei der Gastfamilie, meint, dass sich die Deutschen in punkto Gastfreundschaft eine große Scheibe von den Bosniern abschneiden können. Darauf Zora: „Ach, kein Ding. Im nächsten Krieg kommen wir zu euch!“ Schockschweigen. Dann brechen alle in Lachen aus.



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