Auf unserem Rückweg entdeckt Jarek Einschusslöcher im Geländer. Wenn man genau hinguckt, sieht man den Krieg noch ganz genau. Es ist Nacht, wir laufen nach Hause, durch schöne Gassen in Jajce, in denen man das Raunen der Stimmen und die kleinen Läden noch spüren kann, die es vor dem Krieg hier mal gegeben hat. Wir haben den Abend bei Vahida verbracht, einer 70-jährigen alten Witwe. Wunderschön ist sie mit ihrem blonden Haar, ihrem Lachen und ihrer Herzlichkeit. Fünf Jahre hat sie in Freiburg gelebt, ihre Tochter lebt da noch immer. Sie war früher Lehrerin. Heute ist sie selbst Schülerin, denn sie besucht den Englischkurs für Senioren am Jugendzentrum. Nebenbei malt sie, macht Ausflüge und lädt sich, so oft es geht, junge Menschen ein. Das hält sie jung, sagt sie. Und während wir Pita mit Spinat und Kuchen essen, schauen wir DSDS auf bosnisch.
Unglaublich, wie sich da Unterhaltung und Werbung mischt. Werbung überall. Schokolade wird von den singenden Kandidaten stolz in die Kamera gehalten. In der Moderation wird das „Quickie“ Croissant gepriesen. Die Moderatorin sieht gut aus, wenn nicht der Lippenstift so dick aufgetragen wäre, dass er aussieht wie Lack. Ihr Kleid endet unter den Hüften. Nur 100 Sekunden dürfen die Kandidaten singen und die Lack-Moderatorin tanzt mit. Davon könnte sich Dieter Bohlen eine Scheibe abschneiden.
Während der Kommerz uns einlullt, schwärmt Vahida davon, wie schön das Leben einst in Jugoslawien war. Sie ist nicht die erste, von der ich das höre. Und mittlerweile steht Tito auch im AVNOJ-Museum Tito mittlerweile wieder aufrecht: Nach 3 Wochen in der Horizontalen posiert er auf dem frisch gestrichenen Fussboden. Andere sogenannten Helden hängen portraitiert an der Wand – Marx, Roosevelt, Churchill und – Stalin. Warum es früher so schön war? Weil die Leute Arbeit hatten, man beim Arzt nicht alles selbst zahlen musste. „Heute kannst du alles haben, aber nicht einschlafen.“ meint Zeljko.
Vahida und Zeljko beeindrucken mich. Sie gehören zu den Menschen hier in Jajce, die sich nicht lähmen lassen von den äußeren Umständen. Beschreiben kann man das nicht so richtig. Dafür muss man hier gewesen sein.









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